Meine Enkelin macht Englischaufgaben. Sie hat jetzt Homeschooling (auf gut Deutsch Heimunterricht). Irgendwie ist sie auf dieses englische Wort im Zusammenhang mit Ostern gestossen.

Ich erkläre: „Resurrection heisst Auferstehung.“ Meine Enkelin starrt auf den Osterhasen. Sie versteht Bahnhof. Ich überlege: In der Schule gibt es doch auch das Fach Religion und Kultur. Wer erteilt das nun im Corona-Heimunterricht? Ich mache mich an die Arbeit: „Resurrection heisst Auferstehung. An Ostern feiern wir eigentlich nicht den Osterhasen, sondern die Auferstehung von Jesus Christus.“

„Ist das der Jesus, welcher an Weihnachten auf die Welt gekommen ist?” Sie will es genau wissen. „Ja, das ist der.“ Ich werde nachdenklich. „Man hat ihn 33 Jahre später gekreuzigt.“ Ich erkläre ein bisschen unbeholfen, was das bedeutet.

„Warum hat man ihn denn gekreuzigt?“ Sie hat Mühe mit dem Wort „Hat er denn etwas Böses getan?“ „ Nein – eben nicht. Er war die pure Liebe, er hat viele geheilt und ihnen gezeigt, wie man leben soll, damit wir Frieden auf Erden haben.“

 „Aber warum wird man denn gekreuzigt (sie spricht das Wort jetzt schon selbstsicher aus), wenn man die Liebe ist und den Frieden lebt?“

„Das erzähl ich dir später. Es ist eine traurige Geschichte. Wir wollen ja jetzt von der Auferstehung oder Auferweckung sprechen, der Resurrection. Er – Jesus – ist nämlich nicht wirklich gestorben, er ist auferstanden. Das heisst, alle haben gemeint, er sei tot, aber am dritten Tag war das Grab leer und seine Freunde haben ihn wieder gesehen, aber ganz anders als früher, er war eine Lichtgestalt. Er wollte damit sagen: Das, was wie tot aussieht, kann auferweckt werden. Das Leben geht ewig weiter, es ist stärker als der Tod.“ Sie schaut mich mit grossen und weisen Augen an. Sie hat verstanden und widmet sich nun wieder ihren Englischaufgaben.

Was, du hütest deine Enkelinnen? Du gehörst doch zur Risikogruppe?

Ich höre die Vorwürfe jener, welche den Weisungen des Bundesrates gefolgt sind und brav zu Hause sitzen. Natürlich hüte auch ich meine Enkelinnen nicht!!! Auch ich folge den Weisungen des Bundesrates und sitze brav zu Hause. Aber da ich meine Enkelinnen nicht hüten darf, habe ich viel Zeit, meiner Fantasie freien Lauf zu lassen und mir mögliche Gespräche ausdenken, das ist uns doch noch erlaubt!

Wo ich hinaus will: Diese Corona-Wochen bieten uns eine grosse Chance: Wir haben Zeit (sorry nicht alle haben diese Zeit, vielen Dank an jene welche doppelt arbeiten müssen). Noch selten waren so viele Menschen so auf sich selber zurückgeworfen und hatten Zeit, sich mit sich selber zu beschäftigen. Kein Ausgang, kein Shopping. Zeit, sich zu fragen: Will ich nach der Corona Krise so weiterleben wie bisher? Was will ich an wunderbaren Erkenntnissen in eine Nach-Corona-Zeit hinüberretten? Ist die Arbeit, die ich mache (gemacht habe), eine sinnvolle Arbeit, dient sie dem grossen Ganzen. Vielleicht ist es auch gar nicht mehr möglich, so weiter zu fahren wie bisher…

Und dann die grosse Frage: Lebe ich meine Talente? Was waren mal meine Träume? Was ist in mir in der hektischen und materiell ausgerichteten Zeit, die jetzt zum Stillstand gekommen ist, (scheinbar) gestorben, das unbedingt auferweckt werden möchte?

Es ist auch eine Frage an unsere Systeme: Bildungssysteme, Sozialsysteme, Arbeitssysteme Gesundheitssysteme, Geldsysteme etc. Was will da auferstehen, was muss unbedingt auferweckt, neu geschaffen werden? Was müssen wir verabschieden?

Zeit für Wandel.

Resurrection! Was für ein herrliches Wort! Lassen wir uns inspirieren.

Frohe Ostern!